News im September 2021

Wenn Fußballfieber zum Gesundheitsrisiko wird

Die Bilder des EM Spiels Dänemark Finnland bleiben in Erinnerung: Ein kerngesunder 29-jähriger Profifußballer bricht auf dem Platz zusammen und muss wiederbelebt werden. Dr. Kai Weinmann, Sektionsleiter Elektrophysiologie am Helios Klinikum Pforzheim, gibt Laien und Fans Tipps für den Ernstfall.

Bei einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung kommt es auf jede Sekunde an. Christian Eriksen war vor seinem Zusammenbruch in Ballkontakt und hatte die volle Aufmerksamkeit, sodass das Ärzteteam schnell reagieren und einen Defibrillator einsetzen konnte. „Nur eine sofortige Wiederbelebung kann eine Behinderung durch Hirnschäden oder gar den Tod verhindern. Deshalb sollten auch Laien bei einem Herzstillstand immer sofort Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Leben retten ist einfach“, erklärt Dr. Kai Weinmann:

Prüfen-Rufen-Drücken:

  • Prüfen: Zeigt der Betroffene eine Reaktion, atmet er?
  • Rufen: Wenn nicht, rufen Sie sofort die Notfallnummer 112 an!
  • Drücken: Drücken Sie schnell und kräftig mit gestreckten Armen in die Mitte des Brustkorbs 5 cm tief, mindestens 100-120x pro Minute, bis der Rettungsdienst eintrifft. Untätiges Warten kann für den Betroffenen fatal sein.

Im Fall des dänischen Nationalspielers haben diese unmittelbar durchgeführten Maßnahmen gezeigt, dass sofortige Hilfe Leben retten kann. Der schnelle Einsatz eines Defibrillators hat, durch den abgegebenen Elektroschock, das Herz wieder zum Schlagen gebracht.

Die Ursache von Herzrhythmusstörungen kann in einem elektrophysiologischen Labor (siehe Bild) abgeklärt und behandelt werden. Bei dieser Abklärung wird  entschieden, ob die Implantation eines Defibrillators erforderlich ist.
Ein implantierter Defibrillator, wie ihn Eriksen laut Medienbeichten erhält, schützt zuverlässig vor bedrohlichen Herzrhythmusstörungen und dem plötzlichen Herztod. Der Defibrillator wird dem Betroffenen bei einem kleinen operativen Eingriff eingesetzt.

Auch Fans haben während eines spannenden und nervenaufreibenden Spiels ihrer Mannschaft ein erhöhtes Risiko. Ist die Spannung zu groß, steigt der Stresslevel, die Herzfrequenz wird höher und der Blutdruck kann sich kritisch erhöhen. Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung sind hierbei besonders gefährdet.
Studien belegen, dass das Herzinfarktrisiko während Weltmeisterschaften messbar ansteigt. So haben Forscher aus München während der WM 2008 bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft wesentlich mehr herzmedizinische Notfälle beobachtet: Dies betrifft überwiegend Männer. Sie hatten während der Weltmeisterschaft ein 3,3-faches Risiko für Herzattacken. Bei Frauen wurde ein „nur“ 1,8-faches Risiko nachgewiesen. Das Risiko tritt jedoch nur auf, wenn wir mit unserem Team besonders verbunden sind.

„Wir wünschen uns natürlich kein frühes Ausscheiden unserer Mannschaft, aber mehr Gelassenheit der Fans. Wenn die Spannung unerträglich wird, passen Sie bitte auf sich auf:  Ein kleiner Spaziergang um das Haus in der Halbzeitpause kann die Anspannung verringern. Zudem erhöht übermäßiger Alkoholgenuss den Blutdruck und kann das Risiko zusätzlich steigern. Denken Sie immer daran: Es ist alles nur ein Spiel“, empfiehlt Dr. Kai Weinmann.

Dr. Kai Weinmann, Sektionsleiter Elektrophysiologie, mit einem implantierbaren Defibrillator im Elektrophysiologischen Labor des Helios Klinikum Pforzheim.

Fotografin: Dr. Silke Bentner, Helios Klinikum Pforzheim

Diagnose und Behandlung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Ref.: Prof. Ott, Dr. Weinmann